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AVD Histo-Monte 2017 / 08.02.-11.02.2017

08.02.2017 – Die Motoren brüllen: In aller Frühe begaben sich 83 Teams in der Klassikstadt Frankfurt auf die Reise.

Los geht’s! Auf zur AvD-Histo-Monte 2017!  Im Minutentakt verlassen die Fahrzeuge den Hof der Klassikstadt Richtung Odenwald zur Hirschhorner Höhe. Dann schlängeln sich die Straßen durch die Wälder hinunter bis nach Sinsheim. Auf geht es in den Schwarzwald zur Geroldsauer Mühle: Der Schwarzwald ist schön. Aber wir wollen in die Alpen. Am Nachmittag schlängelt sich das Starterfeld hinauf an den Hohen Ochsenkopf, links, rechts, links, aber doch zeigt die große Kompassnadel über allem ganz stoisch nach Süden. Über Elzach und Waldkirch geht es hoch und höher bis auf über 1200m, in die kalte Stille auf den tief verschneiten Kandel, dann endlich führt das Roadbook hinab ins Rheintal und am frühen Abend ist das Freiburger Dorint Hotel nach 442,91 Tageskilometern erreicht.

09.02.2017 – Der Winter ist da: spektakuläre Ausblicke, ob morgens auf dem Schauinsland oder abends auf dem Col des Menthieres.

Heinz Merkle, Simone Schücke Gegen halb acht geht es ein paar hundert Höhenmeter weiter oberhalb auf den Schauinsland, den Hausberg der Freiburger, der noch starr und blau in der winterlichen Kälte schläft. 780 Höhenmeter Bergrennstrecke, die sich auf zwölf Kilometern in 173 Kurven zur Passhöhe winden. Oben auf dem Pass strahlt die Sonne, während die Täler noch in tiefem Nebel liegen. 

Schmale Straßen, enge Kurven, steile Felsen, so geht es dem Rhein und somit der Schweiz entgegen. Dann Rheinfelden, alte Grenze. Die historische Bogenbrücke samt anliegender Altstadt wurde für die AvD-Histo-Monte geöffnet. Aus dem Rheintal heraus steigt die Route ins Obere Jura und auch hier wird die traditionsreiche Bergrennstrecke St. Ursanne – Les Rangiers in das Roadbook eingebunden: Kurven wie sie sein müssen!

Doch schnell ist die Schweiz wieder verlassen und der Weg führt nun konstant nach Süd-West, wie eine Verheißung. Fast schon wie ein erster leiser Ruf aus Monte Carlo.

Zur Mittagspause am Lac de Saint-Point in Malbuisson sind wieder über 300 Kilometer bewältigt.

Die Nachmittags-Etappe wartet mit echten Monte-Bedingungen auf. Durch den Parc naturel de Haut Jura und bald auch in Serpentinen hinauf auf den Col de Menthieres. Hier liegt nicht nur Schnee auf der Straße, Frau Holle lässt es auch leise rieseln auf die Rallyeautos. 200 Kilometer gilt es so noch einmal zu bewältigen, bis in der Dunkelheit der Marktplatz von Aix-les-Bains als Tagesziel erreicht wird.         Über Nacht bereitet man sich hier auf den dritten Tag vor, der über Grenoble und Crots bis an die Côte d‘Azur führen wird.

10.02.2017 – Regen zum Frühstück, Schnee zum Warmwerden, eine steife Brise auf 2058 Metern und ein sonniger Abschluss – der dritte Tag hatte viel zu bieten, nur keine Langeweile.

Aix-les-Bains. Nach dem Restart um 7:15 Uhr wird schnell gewiss, dass nun der richtige Winter wartet. Die ersten Fahrzeuge starten zur 13. Prüfung hinauf auf den Mont Revard. Was als flüchtiger Schneematsch beginnt, gewinnt mit der Höhe an Festigkeit und schließlich erstreckt sich eine blendend weiße Landschaft unter strahlend blauem Morgenhimmel. Wie im Bilderbuch!

Heinz Merkle - Simone SchückeDer nie enden wollende Anstieg zum Col du Lautaret bringt die Fahrer und Beifahrer auf 2058 Meter. Auch hier hat sich die weiße Pracht auf den Straßen niedergelegt. Das Winterwetter bietet Fahrfreude, hat aber auch seine Schattenseiten. Der Spezialtransporter von Bott kehrt aus Sicherheitsgründen um, die Kaffeepause auf dem Gipfel muss entfallen. 

Der Abstieg ins Tal und die Runden auf der Eisbahn des Circuit Serre Chevalier indes können den nahenden Frühling nicht mehr verleugnen. Das glatte Eis wird mit jedem Oldtimer mehr und mehr aufgewühlt, es ist zu warm.  Die Vorboten des Frühlings haben aber auch ihre guten Seiten. In der Mittagspause im Restaurant „Les Bartavelles“ in Crots bemerkt man die Wunder des Lichts. Plötzlich ist es da, dieses mediterrane Gefühl.

Bis hierhin sind 276 Kilometer und damit ziemlich genau die Hälfte der Tagesdistanz geschafft. Die sechste Etappe hält noch einmal 278 unvergleichlich kurvige Kilometer bereit. Die Tour führt nun am Lac de Serre Poncon entlang und steigt auf den 1110 Meter hohen Col Lebraut. Aber all das ist nur Vorgeschmack auf die unwirklich erscheinende Ansammlung von Haarnadelkurven, mit denen die schmale Straße sich später wie eine Schlange vom Col de Sagnes ins Tal von Bayons hinunter windet. Aber das größte Naturschauspiel des Tages zeigt sich erst in der Dämmerung: Der Grand Canyon Frankreichs, die Schlucht von Verdon, wird auf halber Höhe von einer atemberaubenden Panoramastraße durchmessen, die als 19. Wertungsprüfung unter die Räder genommen wird. Viele, viele Kurven und Kehren wurden bisher schon gemeistert, nun gibt es sozusagen noch einmal einen Nachschlag. 

Endlich erreicht man die Palmenpromenade von Cannes und vor uns erhebt sich das Pullman Royal Casino, Hotel direkt am Meer, Ausgangspunkt für das große Finale am Samstag! In den Kampf um den Gesamtsieg wird Walter Röhrl nicht mehr eingreifen. Er erfreut sich mehr der Dynamik und den historischen Pisten, als an 1/10-Sekunden zu feilen. Derzeit liegt er auf Rang 75.        

11.02.2017 – Blühende Blumen an der Côte d’Azur, Schnee auf den Gipfeln und Straßen, die zum Rallyefahren gemacht sind:

Morgens geht es mit einem Hauch von Frühling hinauf auf den Col de Turini!

Doch erst einmal lauern gleich zwei Geheime DKs, um ordentlich in Schwung zu kommen. Wer jetzt das Roadbook nicht richtig gelesen hat, der zieht keinen Joker. Die schmale Straße windet sich bei Les Gleirettes den Berg hinauf, wie ein Vorgeschmack auf die weltberühmte Passstraße in der Mittagszeit. Und weiter geht es, über Col de la Sine und Col de Bleine, nun bereits 1439 Meter über dem Meer. Das Hin und Her der Spitzkehren am Fuße des Turini lässt dann bereits ahnen was nun kommt. Aber die Überraschung ist noch größer, denn oberhalb der letzten Häuser ist man plötzlich allein mit sich, dem Auto, der Straße und dem Himmel. Gehöriger Respekt stellt sich ein. Dieses Ding bei Nacht bezwingen? Gegen die Uhr …? 

Steiler wird der Fels, immer weiter das Panorama, immer tiefer der Blick über die nur kniehohen Mauern. Dann ist der Schnee wieder da. Die Bäume sind weiß, und gefrorene Mauern aus verharschtem Schnee steigen am Straßenrand bis auf Augenhöhe. Und oben inmitten des plötzlichen Winters, die Pause im Hôtel les Trois Vallées, dem Haus der drei Täler auf dem Col de Turini mit seinen 1609 Höhenmetern. Bis auf den letzten Platz schieben sich die Teilnehmerfahrzeuge auf dem Parkplatz zusammen. Und mitten drin ein gelöster Walter Röhrl, der besonders gerührt zu sein scheint. Hier hat er alles erreicht, was man in seinem Sport erreichen kann. Die Monte ist die Monte. Und alle haben soeben eine Ahnung bekommen, was das wirklich an Herausforderung bedeutet.  Ebenso spektakulär dann der Abstieg in Richtung Monte Carlo. Der Yachthafen von Monaco, dort, wo auch die offizielle Monte endet. Aber erst einmal sind da wieder Serpentinen über Serpentinen, noch immer geht es über kurvige Straßen weiter, so, als würde das nun für immer so bleiben. Aber dann ist da plötzlich zwischen den Felsen ... das Meer! Der Verkehr schiebt sich durch die Häuserschluchten von Monaco, diesem eigenartigen Gebilde am Fuß des Gebirges, das in die Höhe wachsen musste, weil es keine Fläche mehr gibt.

Heinz Merkle - Simone SchückeDoch der Hafen bietet noch immer Platz für das Starterfeld, das nun seine Klassiker abstellt, um diesen besonderen Triumph zu genießen: Es ist geschafft! 1730 Kilometer in vier Tagen, und niemand kann die Kurven zählen. Die Müdigkeit wird weggeblasen von der Besonderheit des Augenblicks. Es ist ein Erlebnis fürs Leben –Egal ob Sieger oder nicht ... 

Weltmeister Walter Röhrl wurde 74. und gab bei der Gala trocken zu Protokoll: „Wir haben die Veranstaltung wohl etwas anders interpretiert als der Rest.“         

Ach übrigens: wir, das Team Heinz Merkle / Simone Schücke erreichten einen stolzen 30. Platz. Und wisst Ihr, was Walter Röhrl und uns verbindet? Wir fuhren mit Startnummer 74, Walter Röhrl kam auf Platz 74 am Ende an ... Die Veranstaltung ist ein einmaliges Erlebnis, das muss man mal miterlebt haben!

 

Über die AvD-Histo-Monte

Die AvD-Histo-Monte ist eine der anspruchsvollsten und faszinierendsten Gleichmäßigkeitsrallyes Europas. Die viertägige Reise in den Hafen von Monaco ist den früheren Sternfahrten der Rallye Monte Carlo nachempfunden. Die Teilnehmer absolvieren rund 1.800 Kilometer auf wunderschönen Straßen und werden durch bekannte Sonderprüfungen oder die typischen Monte-Bedingungen mit Eis, Schnee, Regen und Sonnenschein immer wieder daran erinnert, dass sie auf den Spuren der „Mutter aller Rallyes“ wandeln. Die 1993 gegründete Gleichmäßigkeitsrallye feierte 2017 ihr 25-jähriges Bestehen.

Quelle: gekürzte Version www.avd-histo-monte.com

Simone Schücke / Heinz Merkle

 

 

 
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